Was für ein Abschluß unserer Reise durch Sikkim! Den heutigen Tag haben wir mit allen Sinnen genossen und sämtliche Eindrücke mit Gänsehaut-Feeling in uns aufgesaugt. Gestern noch hangelten wir uns von Reiseagentur zu Reiseagentur, nur um festzustellen, dass alle Anbieter einen Festpreis zum Tsomgo Lake im Angebot hatten. Für uns Ausländer ist es nicht ganz einfach in die Grenznähe zu China zu reisen, denn für den Tsomgo Lake selbst benötigten wir eine Sondergenehmigung und einen Guide. Noch heute früh hat sich unser Guide mit dem Papierkram für unseren Ausflug beschäftigen müssen, so dass der vereinbarte Tourstart um eine knappe Stunde verschoben werden mußte. Mit einem Wust an Papier und Sondergenehmigungen brachen wir gegen 9.30 Uhr zur großen Fahrt durch die unbeschreibliche Bergwelt von Ostsikkim auf. War bei der gestrigen Tour die Straße noch in einem bedauernswerten Zustand, so war heute von Straße keine Rede mehr! Durch die Regenzeit waren ganze Hänge abgerutscht und der noch verbliebene Rest des Weges klammerte sich verzweifelt an den Berghängen fest, so dass wir manchmal nur Millimeter an hunderten Meter tiefen Schluchten entlang balancierten. Abenteuer pur!!! Mitten durch die Wolken kam kurz darauf die Sonne zum Vorschein und ließ einen atemberaubenden Blick auf die Berge zu, so als ob irgendwer ganz plötzlich einen “Wolkenschieber” zur Hand genommen hätte. Auf 3.753 Metern Höhe erreichten wir den Tsomgo Lake, kaum mehr als 41 km von Gangtok entfernt, doch bei den Straßenverhältnissen dauerte die Anfahrt gute drei Stunden. Hier oben dann eröffnete sich uns das eigentliche Theater. Glasklare Sicht bei tiefen Temperaturen, Yaks und eine mehr als bizarre Szenerie aus Dorfleben und Armeecamps. Unbeschreiblich. Völlig erschöpft von den Eindrücken sitzen wir nun auf dem Balkon der “Cacao Bäckerei” und lassen den Tag bei Kaffee, Tee und Kuchen Revue passieren. Sikkim, wir haben dich wieder einmal lieben gelernt.

Written on Februar 21st, 2011 , Asien, Indien Tags:

Unsere Reise durch Sikkim neigt sich langsam dem Ende entgegen, doch nicht ohne einprägsame Eindrücke von Gangtok und Umgebung. Gestern haben wir uns von Doreen aus London verabschiedet. Nach mehr als 16 Tagen Streik in Darjeeling hat die Regierung von West Bengalen beschlossen, eine Streikpause von 4 Tagen einzulegen. Für Doreen war das Grund genug, um doch noch nach Darjeeling zu reisen. Zur Verabschiedung tauschten wir unsere Adressen aus und kurz darauf erhielten wir eine mehr als freundschaftliche Einladung von ihr, sie doch einmal in London zu besuchen. Wir sollen uns unbedingt die lokalen Rockbands anschauen und auf keinen Fall einen Walk mit ihr verpassen. Dieses Angebot werden wir wohl kaum ausschlagen.

Heute hat es uns in unzählige Reiseagenturen verschlagen, denn wir wollen noch unbedingt nach Tsomgo an der tibetischen Grenze um dort den Changu Lake zu sehen. Ein wirklich magischer Ort auf mehr als 3.000 Metern Höhe. Dafür benötigen wir noch ein spezielles Permit, was uns den Besuch an der Grenze zu China gestattet. Schnell noch ein paar Passfotos geschossen und Reisedokumente kopiert und schon wird es morgen in aller Frühe auf “große” Reise gehen. Wir sind neugierig auf das was da noch kommt. Und dann noch rasch eine Tour nach Lingdum und Rumtek gebucht. Ein Tag der sich mehr als gelohnt hat. Allein schon die Anreise zu den zwei sehr wichtigen Klöstern in der Umgebung von Gangtok war Abenteuer pur. Durch die Regenzeit ist die Straße dorthin in einem bedauernswerten Zustand, was aber den Taxifahrer der kleinen Kiste nicht davon abhielt, über sämtliche “Schlaglöcher”, Steine und Unebenheiten zu brettern. Das arme Auto! Bei diesen Straßenzuständen ist man stets darauf bedacht, seine inneren Organe an den richtigen Stellen zu behalten. Zur Belohnung jedoch folgten wirklich tiefe Impressionen, die wir wohl so schnell nicht vergessen werden. Auch wenn das Lingdum Kloster erst 1998 fertiggestellt wurde, so ist es doch das Schönste seiner Art, was ich bisher in Sikkim gesehen habe. Dagegen wirkt das Rumtek Kloster eher fad und langweilig, doch die Sicherung durch das Millitär zeigt die tiefe Bedeutung jenen Ortes an. Eine Erfahrung der anderen Art, die sich doch gelohnt hat. Bei Sonnenschein und Frühlingserwachen gab es für den heutigen Tag keine bessere Entscheidung.

Written on Februar 20th, 2011 , Asien, Indien Tags:

Schneller als gedacht hat es uns nun doch nach Gangtok verschlagen. Mit Doreen der Engländerin hatten wir uns einen Jeep von Pelling in Sikkims Hauptstadt geteilt. Ein privater Transport macht auf den anstrengenden Fahrten oft Sinn, auch wenn die Orte kaum mehr als 140 km voneinander trennen, können bei schlechten bis miserablen Straßenverhältnissen Stunden schmerzvoller Erfahrung daraus werden. Spätestens wenn man sich in überfüllten Sammeltransportern wiederfindet, wünscht man sich ein wenig mehr Luxus und Freiraum, den man sich leicht mit ein paar Rupien erkaufen kann. Mit diesem Luxus kamen wir trotzdem mehr als verspannt in Gangtok an. Trotz aller Verhandlungen im favourisierten Hotel – im Moment ist nicht gerade Hochsaison in Sikkim – müssen wir für unsere Unterkunft doch noch ein paar Rupien mehr bezahlen als gewollt, doch dafür haben wir fließend warmes Wasser rund um die Uhr und Kabelfernsehen und ein wirklich komfortables Zimmer.

Alle unsere Bemühungen doch noch ins Yumthang Valley zu kommen haben sich heute zerschlagen, denn uns bleibt einfach zu wenig Zeit. Doch das macht nichts, denn wir wollen noch eine Tour zum Tsomgo Lake unternehmen, der nur einen Steinwurf von der tibetischen Grenze entfernt ist. Auf über 3.500 Metern Höhe haben wir vielleicht noch einmal einen magischen Blick auf die Bergwelt von Sikkim. Hoffentlich – wir werden es sehen.

Written on Februar 18th, 2011 , Asien, Indien Tags:

Blitz, Donner und Dauerregen der sich heute Morgen festgesetzt hat, vermiesen unsere Stimmung und veranlassen uns dazu, die geplante Reisereoute nun doch noch einmal abzuändern. Soeben schlug ein Blitz in die Stromleitung ein und gab uns unserer Entscheidung recht, doch noch einen Tag länger in Pelling zu verweilen. Morgen muß eine Entscheidung her. Doch nach Yuksom oder gleich nach Gangtok. Der Tag wird es mit sich bringen. Mal sehen wo es uns hinverschlägt.

Written on Februar 16th, 2011 , Asien, Indien Tags:

Streikbrecher! Ja uns gibt es noch. Nicht wir sind die Streikbrecher, sondern die Fahrer der Jeeps, die es uns trotz der Unabhängigkeitsgelüste von “Nagaland” – also den nordöstlichen Provinzen von Indien – ermöglichen, Sikkim zu bereisen. Natürlich hat die Situation Spuren hinterlassen. So ist das Reisen etwas komplizierter als noch im Vorjahr und zudem geringfügig teurer. Klar doch, schließlich steigen in Folge der Situation auch die Spritpreise, die dann an die Mitfahrer der Jeeps weitergereicht werden. Doch das ist alles zu verkraften und wir planen die nächsten Tage in Sikkim problemlos weiter. Der ankommende Frühling streckt langsam seine Fühler aus. In Pelling und Umgebung beginnt es schon fleißig zu blühen. Die Tagestemperaturen steigen selten über die 15 Grad Marke und in der Nacht fällt das Quecksilber auch mal locker unter 10 Grad. Manchmal wird es dann schon etwas kühl, doch die heutige Tagessonne hat das schnell vergessen lassen. Eine kleine Rundreise führte uns nach Dentam und noch einmal zur zweithöchsten Hängebrücke Asiens. Überall am Wegesrand sitzen Sikkimesen und schlagen per Hand aus großen Steinen Schotter für die im Winter zerfrorene Straße. Noch im letzten Jahr sagte man mir, dass ein solcher “Straßenarbeiter” im Schnitt 50-100 Rupien, also kaum mehr als 1,50 Euro verdient. Schlimm mit anzusehen, wenn bereits die Kinder bei solchen Arbeiten mithelfen müssen, um zum Familieneinkommen etwas beizutragen!

Gestern kam ich mit einer Frau aus London ins Gespräch. Sie meinte, es sei wie ein Lottogewinn im richtigen Land geboren zu werden, denn es mache viele Dinge viel einfacher. Wie recht sie doch hat!

Die für morgen von mir angedachte Unterrichtsstunde an der bei der Lotus Bäckerei angeschlossenen lokalen Schule muß leider ausfallen, da der ”Manager” des Projekts heute nach Delhi abgereist ist und so leider kein Ansprechpartner für mein Anliegen vor Ort ist. Schade. Nun soll es morgen nach Yuksom gehen, später dann noch nach Gangtok und vielleicht auch noch hoch in den Norden zum Yumthang Valley auf ca. 4000 Meter Höhe, um eventuell noch einmal einen magischen 360 Grad Rundumblick auf die Berge zu genießen.

Written on Februar 15th, 2011 , Asien, Indien Tags:

Meinen Plan, den ich nicht wirklich hatte, hat es gestern gewaltig durchgewirbelt. Früh morgens noch wurde ich nach einer ”angenehmen” Nacht im mehr als stickigen Kabuff in Delhi wach. Nicht das das Zimmer eine Absteige gewesen wäre, doch die Luftzufuhr im beengten Raum war etwas knapp bemessen, so dass am Morgen Frischluft ein Fremdwort war. Kurz nach dem Aufwachen ab ins Taxi und zum Domestic Airport. Alles kein Thema. Und wieder zeigt sich, mit welch rasanter Geschwindigkeit sich die Gesichtszüge von Delhi verändert haben. Überall wird gebaut. Krise? Die scheint es zumindest im Bausektor nicht zu geben. Überhaupt strebt Indien derzeit nach den Sternen. Die Volkswirtschaft boomt und rasante Zuwächse am Markt sind in allen Branchen üblich. Unter den 1,2 Milliarden Indern gibt es unzählige Gewinner aber noch viel mehr Verlierer, die am Straßenrand mit ihrem Hab und Gut – kaum mehr als die Fetzen Kleidung am Leib – ihr Dasein fristen und auf ein paar Rupien von ihren Mitmenschen oder Touristen hoffen.

Am Flughafen klappt diesmal alles reibungslos. Mein Flug ist nicht überbucht, wie noch im Jahr zuvor. Keine endlosen Diskussionen oder anderweitige Pläne für den ungefüllten Tag. Der Weg ist klar: ab in den Flieger und nach vier Stunden und irgendwas in Bagdogra landen und weiter mit dem Jeep nach Darjeeling. So weit so gut! Doch hier wird der “Plan” durchkreuzt. Bis zur Anreise nach Bagdogra ist alles klar. Ich spreche am Gepäckband eine Französin an: “Wollen wir uns einen Jeep nach Darjeeling teilen?” “Klar, das hatte ich auch vor dich zu fragen.” Also auf zum Taxistand. Zuvor erwähnt sie, sie hätte gehört, dass die Straße nach Darjeeling gesperrt sei. In Westbangalen und den nordöstlichen Provinzen gäbe es einen Streik. Wieder einmal geht es um die Unabhängigkeit der Provinz von Indien. Vielleicht würden keine Taxis dorthin fahren. Nun ja, ihre Aussagen bestätigen sich am Taxistand. “There are no Taxis to Darjeeling or Gangtok today. Maybe tomorrow.” Also kein Taxi nach Darjeeling oder Gangtok. Wir könnten es morgen noch einmal probieren. Es fahren nur Taxen nach Siliguri. Mein Gott, diese furchtbar dreckige und laute Stadt, in die ich freiwillig nicht noch einmal zurückkehren wollte, sollte nun unser Endziel sein? Am Busbahnhof festigte sich mehr und mehr die Gewissheit, dass selbst die Busse nach Sikkim nicht fahren würden. Jedenfalls nur ohne uns, denn aufgrund des eingeschränkten Taxiverkehrs sind alle Busse ausgebucht, auch für die nächsten Tage. Also schaue ich blöd über den Markt, laufe hier und dort und treffe auf einen Inder der mich fragt, ob ich nach Pelling wollte. “Wieviel Leute kommen noch mit?”, ist seine Frage. “Vier”, antworte ich. Ich und Karo und die zwei Franzosen von Bagdogra, die ich ins Schlepptau genommen habe. Nun beginnen die Verhandlungen. Da die Straße nach Darjeeling durch Polizei und Armee gesichert wird, weil es immer wieder Proteste, Steinwürfe und brennende Jeeps gibt, haben die meisten Fahrer Angst, die Strecke zu bereisen. Der Preis für den Jeep ist hoch. Nach Darjeeling führt kein Weg und es macht auch keinen Sinn, weil bei Streik geht nichts mehr! Also bleibt nur Pelling in Sikkim. Sechs Stunden mit dem Jeep durch die Dunkelheit der Berge. Wir verhandeln hartnäckig und setzen uns mit einer trotzdem noch ”überwucherten” Preisvortsellung durch und fahren in weniger als sechs Stunden nach Pelling. Dort angekommen geht es ins ”Blue Hills” zu Deven und Devi vom letzten Jahr. Die Wiedersehensfreude ist riesig. Die Zimmer sind schnell bezugsfertig und der Willkommenstee und ein paar Kekse stehen rasch auf dem Tisch. Gemeinsam lassen wir noch den Tag Revue passieren und freuen uns auf eine geruhsame Nacht und abwechslungsreiche Tage in Sikkim.

Written on Februar 13th, 2011 , Asien, Indien Tags:

Dort wo vor einem Monat das erste Abenteuer Indien für mich begonnen hatte, wird es nun auch enden. Zurück in Delhi, doch nicht ohne schweren Herzens Abschied genommen zu haben.

Rückblick: Seit dem 10. April bin ich allein in Indien unterwegs und meine zurückliegende Reiseplanung war mit Darjeeling und Sikkim soweit ausgereift, als dass ich unbedingt noch einmal wieder in den Himalaya wollte. Mehr als 12 Jahre liegt es nun schon zurück, als ich das erste mal asiatischen Boden unter den Füßen verspürte und sofort wußte, dieser Kontinent würde mich für längere Zeit meines Lebens in seinen Bann ziehen. Und das tut er nun schon seit 12 Monaten meines Daseins, denn so lange bin ich inzwischen auf unterschiedlichen Reisen in verschiedenen Teilen dieses Erdteils unterwegs gewesen. Stets neue Geschichten gab es zu erleben und auf nette Menschen trifft man ohnehin immer, wenn man mit der nötigen Offenheit auf sie zugeht.

So geschah es auch wieder auf der diesjährigen Reise durch Indien. Bereits zu Beginn lernten wir Ashok und seine Freunde in Delhi kennen. Gleich am ersten Abend trafen wir uns zu einer kleinen gemeinsamen Willkommensparty mit reichlich Gesprächsstoff und Getränken. Später dann traf ich in Darjeeling auf “Uncle Tony”, der mich auf ein gemeinsamen Essen mit seiner Familie einlud, nicht jedoch ohne ausführliche Gespräche. Zu vergessen sind nicht die unzähligen anderen Alleinreisenden, auf die ich bei meinen Fahrten, Wanderungen und in Darjeeling, Gangtok und Pelling getroffen bin. Und der Abschluß? Nun, den bildet ganz sicher Deven und seine kleine Familie aus Pellings Blue Hills Hotel, wo ich die gesamte letzte Woche in Sikkim verbracht habe. Ich wurde hier mit einer Offenheit und Warmherzigkeit empfangen, bei der mir die Abreise aus Pelling nur mit schweren Herzens gelang. Ich werde die gemütlichen Abende, die Einladungen zum Essen und das große gemeinsame Interesse aneinander sehr vermissen! Apropos Vermissen: Ganz sicher nicht den Leech, die kleinen hinterhältigen Blutsauger, die zu tausenden in feuchten Gräsern am Boden tanzend auf ihre nächste Beute warten und sich dabei auch auf die meinigen Beine stürzten. Widerliches Viehzeugs!

So zog es mich gestern also nach Bagdogra, wo urplötzlich der Blitz einschlug und ich mich im hektischen Teil Indiens wiederfand. Von der Stille der letzten Wochen war nichts geblieben, nur tosender Krach, Motorenlärm, Hupen, Kreischen und Quitschen. Dazu noch der Mix aus trockener Luft, Staub und brennender Hitze. In Delhi mit zweistündiger Verspätung angekommen, sank die Nachttemperatur nicht unter 33 Grad ab. Heute sind es wieder über 42 Grad. Hitze, Staub und Lärm. Und trotzdem hat mich Indien den letzten Monat in seinen Bann gezogen. “I love my India” – Ich liebe mein Indien. Oh ja, jetzt kann ich jeden verstehen, der sich in Indien verliebt hat, denn ich hab es auch.

Written on April 25th, 2010 , Asien, Indien Tags: ,

Noch einmal auf ins Abenteuer. Nachdem ich gestern Abend von der netten Familie meines Hotels zum Essen eingeladen wurde, legte mir der Herr des Hauses noch unbedingt den Besuch der Singshore Brücke – die zweithöchste Hängebrücke Asiens – ans Herz. Da ich ohnehin noch einen Tag länger als geplant in Pelling bleiben würde, bat sich also der Ausflug am heutigen Tag an. Die Singshore Brücke spannt sich auf einer Länge von 200 Metern über eine 220 Meter tiefe Schlucht. Nicht das es einfach nur diese Brücke wäre, die den Besuch so einzigartig gemacht hat, vielmehr ist es das Gefühl wenn man diese Brücke zu Fuß überquert. Man spürt jeden Tritt, den man auf dieser waghalsigen Konstruktion macht. Zudem hört man permanent das Klacken der Drahtseile, die die Brücke halten. Interessant sind aber die Löcher im Stahlblech unter den Füßen, denn durch sie hat man einen einzigartigen Blick auf die Schlucht unter der Brücke. Genau diese Einzigartigkeit drehte wohl an meinem Gleichgewichtssinn und ich war froh die Brücke wohlbehalten wieder verlassen zu können.

Morgen in aller Frühe werde ich mein Taxi nach Bagdogra nehmen, um hoffentlich meinen Flug nach Delhi antreten zu können. Die Zeit hier ist wie im Fluge vergangen und jede Minute die ich in Sikkim verbringen konnte, habe ich ausgiebig genutzt. Ein sehr schöner Flecken Erde und ein wunderbarer Teil von Indien.

Written on April 23rd, 2010 , Asien, Indien Tags:

Diese Frage stellte ich mir gestern früh, als ich pünktlich gegen 5.30 Uhr von einer lärmenden Meute indischer Hotelgäste unsaft aus meinen Träumen gerissen wurde. Nun, da in den nächsten drei Stunden ohnehin nicht mehr an einen geruhsamen Schlaf zu denken war, entschied ich mich für das Studium meiner Reiseliteratur. Mal sehen was mein weltweit bekannter Reiseführer noch an Tipps für die Umgebung in petto hat. Eine ganze Menge, und warum um alles in der Welt sollte ich mir nicht auch einen Teil davon anschauen? Da ich ohnehin wach war, ging es recht früh zum beliebten Frühstückslokal meiner Wahl. Anschließend gleich zu “Let´s Go Tour”. Es war wohl dem Namen geschuldet, dass ich mich für die sehr luxuriöse Variante eines eigenen Transportmittels samt Fahrer entschied und meine Tour sofort und ohne zögern begann. Zwei Wasserfälle, ein Steingarten und der berühmte Khechuperi (catch-a-perry) Lake sollten neben der genialen Kulisse der Bergwelt Sikkims heute auf dem ganz privaten Reiseprogramm stehen. Eine ausgezeichnete Wahl, denn das Wetter war nahezu ideal für die Unternehmung. Lediglich am berühmten See öffneten sich die Wolken und ließen einen Schauer nach dem anderen folgen. Was solls, schließlich war ich gekommen, um den See zu sehen. Er gilt den hier ansässigen Buddhisten als heilig und wird als Pilgerstätte hoch verehrt. So ist es nicht verwunderlich, dass man nahezu überall tibetische Inschriften, kleine Tempelbauten aus Steinchen, unzählige Gebetsfahnen und Gebetsmühlen sieht. Nahezu jeder Pilger läutet dazu die Glocken, die dem ganzen Szenario noch die entsprechende mystische Stimmung verleihen. Ein Tagesausflug der am Ende jeden Cent wert war, den ich dafür investiert habe.

Und heute? Heute hat Petrus, oder wie auch immer der indische Wettergott heißen mag, seine ganzen Regentropfen zusammengenommen, um sie über Pelling auszuschütten. Es regnet nun schon seit Stunden, es blitzt und donnert. Was macht man bei solch einem Wetter? Man geht zu seinem liebsten südindischen Schnellrestaurant, kippt sich ein Masala Tee nach dem anderen rein und lauscht dazu den Regentropfen oder beobachtet den Versuch der indischen Autofahrer, sich geordnet an einer Engstelle vor dem Schnellimbiss vorbeizuschleusen. Gar nicht so einfach, wenn niemand Regeln befolgt und alle ziellos versuchen zuerst das Hindernis zu passieren. Das kann nur im Chaos enden. Ganz großes Kino!

Written on April 21st, 2010 , Asien, Indien Tags:

Gestern wähnte ich mich nach meinem vorabendlichen Besuch einer Bar in Gangtok nicht auf eigenen Füßen. Wie Tommy Jaud in seinem Buch “Millionär” so trefflich beschrieben hat, litt ich an einem sogenannten “Irak-Kater”, der schlimmeren Form des vorabendlichen Selbststudiums diverser einheimischer Spirituosen. Diese Art des Katers gaukelt einem vor, dass man sich wundervoll fühlen würde und man gar keinen so großen Schaden vom Barbesuch davongetragen hat. Im Laufe des Tages entpuppt er sich aber zum wahren Desater: Glaubte ich früh noch Bäume ausreißen zu können, stellten sich fast stündlich weitere körperliche Beschwerden ein. Totzdem buchte ich mir das Ticket für den Jeep nach Pelling, und kurierte meinen postalkoholischen Super-Gau während der Fahrt aus, was mir glücklicherweise gut gelang. Neben mir saß eine junge Frau, vermutlich aus Indien, so glaubte ich. Doch erst während der Fahrt realisierte ich, dass sie keine Inderin ist. In Pelling angekommen, trennten sich vorerst unsere Wege.

Pelling zieht sich entlang eines Bergrückens und zeichnet sich durch keinen wirklichen Ortscharakter aus. Vielmehr ist es eine Anhäufung von Hotels und Pensionen, die auf die vorwiegend indische Kundschaft eingestellt sind. Man trifft auf einheimische Touristen aus Kalkutta oder Mumbai, die sich den offenen Genuß von allerlei alkoholischen Getränken hingeben und bei guter Sicht nebenbei auch noch einen Blick auf das Khangchendzonga Bergmassiv werfen, sofern sie dazu noch in der Lage sind. Da aber im Moment eher schlechtes Wetter herrscht und man nur ab und zu überhaupt andeutungsweise die Berge erahnen kann, ist wohl der Alkohol der vorwiegende Spaß, den sich die indischen Touristen in Pelling geben. Es sei denn sie sind gerade angereist, dann wird erst einmal lautstark, für jedermann wahrnembar, die Glotze eingeschaltet, um anschließend noch weitaus lärmender in den Speisesaal voranzuschreiten, wo sich der Bauch im ersten Gang vollgehauen wird. Ist das Spektakel beendet, sieht der Speiseraum aus wie eine mittelalterliche Eventgastronomie nach erfolgreicher Nahrungsschlacht und der Trott wälzt sich zurück in die Zimmer, um entweder wieder lautstark in die Glotze zu starren oder noch lärmender eine Unterhaltung zu führen. Natürlich vergessen dabei die Inder nicht, noch schnell das Abendessen klar zu machen, denn pünktlich um halb neun lädt der zweite Gang zum lautstarken Abendprogramm. Dann noch zwei, drei Rum hinter die Binde gekippt, um später endlich ruhig in den Zimmern zu verschwinden, bis morgen früh der ganze Spuk wieder von vorn beginnt und man sich veranlaßt fühlt, die Gehörgänge mit schalldichten Ohrenstöpseln zu verschließen. Ja auch das ist Indien!

Beim morgendlichen Gang durch Pelling traf ich auf Efra, meine irrtümliche indische Sitznachberin im Jeep. Gemeinsam begannen wir den Tag mit einem Frühstück im indischen Schnellrestaurant und endeten in einem fünfstündigen Gespräch! Nachdem ich auch noch erfuhr, dass sie aus Israel stammt, da mußte ich meine bisherigen gesammelten Ansichten über Israelis wieder ins Lot bringen. Efra ist so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was ich bisher von jungen Leuten aus Isreal in Asien wahrgenommen habe. Sie war sehr glücklich darüber, wieder einmal erzählen zu können und das tat sie. Am Ende des Gesprächsmarathons war ich um einige Erfahrungen reicher und sie schnappte sich kurz entschlossen den Jeep Richtung Yuksom. Rastlose Füße!

Written on April 18th, 2010 , Asien, Indien Tags:

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