Winton – Mt. Isa 462 Km

Wir haben unser gestecktes Ziel erreicht! Zu Beginn unserer Reise durch Australien hegten wir den Wunsch, den bekannten Monolithen Ayers Rock bei Alice Springs zu besuchen. Diesen Gedanken hatten wir aber alsbald verworfen, da die nächtlichen Temperaturen im Northern Territory bei Alice Springs zu dieser Zeit oft unter 0° C fallen können. Zudem wollten wir nicht nur tausende Kilometer durch das Outback von Australien fahren. Also sollte Mt. Isa das selbstgesteckte Ziel unserer Reise sein. Die Stadt liegt 887 Km von Townsville entfernt und gilt als die Metropole im Outback von Australien. Kein Wunder, leben doch knapp 24.000 Menschen 50 verschiedener Nationalitäten in Mt. Isa. Im Hinterland von Australien gibt es kaum vergleichbare Städte, auch von ihren Dimensionen her gesehen. Mt. Isa schaffte es in das Guiness-Buch der Rekorde, denn mit ihrer Ausdehnung erstreckt sich das Stadtgebiet im Norden bis an das Gulf Country und Savannah, im Süden bis zum Channel Country, im Osten bis zum Grassland und im Westen bis zum Simpson Desert. Damit umfasst es eine Fläche von 40.977 km² und ist in etwa so groß wie die Schweiz. Mt. Isa gilt als Stadt mit reichen Vorkommen an Bodenschätzen wie Kupfer, Zink und Silber. Als sehr interessant erwiesen sich die Einblicke in das Underground Hospital, dass während des Zweiten Weltkrieges von Zivilisten für Zivilisten angelegt wurde. Es umfasste eine Kapazität von 35 Patienten und sollte während Notzeiten der ärztlichen Versorgung dienen. Allerdings kam das Krankenhaus unter der Erde nie zum Einsatz, da es während eines schweren Bombenangriffes der Japaner im Jahr 1942 zerstört wurde.

Für uns war ein Besuch im örtlichen Jugendclub des PCYC sehr aufschlussreich, da es uns die Möglichkeiten der Kinder- und Jugendbetreuung in schwach besiedelten Gebieten Australiens aufzeigte. Wenn ich dieses Outback-Jugendzentrum mit bekannten Jugendhäusern meiner Heimatregion in Deutschland vergleiche, erblasse ich vor Neid, da es über ein Schwimmbad, einen Skaterpark, ein Fitnesscenter, einen Clubraum, ein Internetcafé, eine Turnhalle, einen Multifunktionsraum mit Bühne, Licht- und Beschallungsanlage, Aufenthaltsräume mit Billard und Außenanlagen mit Grillflächen verfügt. Die Jugendzentren von PCYC sind im gesamten Gebiet von Queensland vertreten. Schade das bei uns zu Hause die Jugendarbeit so frevelhaft behandelt wird!

Written on Juni 29th, 2007 , Australien Tags:

Rubyvale – Ilfracombe – Winton 578 Km

In zwei Tagesetappen führte uns der Weg über Ilfracombe nach Winton, dem Geburtsort des Songs “Waltzing Matilda”, der erstmals 1895 im North Gregory Hotel von “Banjo Peterson” gesungen wurde. Eine Ausstellung in Winton erinnert an die Geburtsstunde des Nationalliedes. Übrigens wurde im Jahre 1921 in Winton die Fluglinie “QANTAS” geboren.

Bereits in Longreach wollten wir das QANTAS Museum besuchen, doch der Eintritt von 19 Euro pro Person schreckte uns sofort ab! Auch in der “Australian Stockman´s Hall of Fame” in Longreach sollten wir 14 Euro pro Person berappen. Die Eintrittspreise liegen teilweise unverhältnismäßig hoch, wodurch viele Besichtigungen nur in der Natur stattfinden.

Die Weite des Outbacks ist für uns Europäer unvorstellbar und manchmal kann sie auch beängstigend wirken. An vielen Stellen weisen Flutindikatoren darauf hin, dass der Highway bis zu 2 Metern von Wasser überflutet werden kann! Unglaublich, wurde doch bei Cloncurry im Jahre 1889 die bisher heißeste Temperatur Australiens von 53,1° C gemessen! Doch als wir in Rubyvale auf den Highway fuhren, begann es zu regnen und der Regen sollte erst 22 Stunden später wieder aufhören. Auf dem Highway zwischen Rubyvale und Ilfracombe setzte der Dauerregen alsbald den Pisten abseits der Hauptstraße zu. Aus losen Sand- und Schotterpisten wurden schlammige Dreckwege, die selbst Allradfahrzeugen Schwierigkeiten bereitete. Hoffentlich würde das nächste Roadhouse oder der nächste Caravan Park nicht abseits einer asphaltierten Straße liegen… Inzwischen zeigten die Flutindikatoren an einigen Stellen auf dem Highway schon 20 cm Wasserstand an und vor uns lagen noch gut 160 Km oder knapp 2 Stunden Fahrtzeit. Trotz der schlechten Wetterverhältnisse erreichten wir Ilfracombe, ein kleines 185 Seelenörtchen, welches uns einen Stellplatz in einem Caravan Park bot. Der Platz war durch den Dauerregen schon in einen ähnlich schlechten Zustand wie die Nebenpisten des Highways. Wenn der Regen nicht nachlassen würde, müssten wir bestimmt einige Zeit länger in dieser “Stadt” ausharren. Doch der nächste Morgen brachte die Erlösung, denn bei strahlenden Sonnenschein trocknete der Asphalt des Matilda Highways unglaublich schnell ab und nur riesige “Seen” abseits der Straße deuteten noch auf das schlechte Wetter am Vortag hin.

Noch etwas am Rande: Im Outback werden Örtchen mit 180 Einwohnern als Städte bezeichnet. Im Gegensatz zu anderen Ortschaften wirken diese “Städte” riesig, denn Orte wie “Middleton” mit 5 Einwohnern, “Corfield” mit 20 Einwohnern oder “Quamby” mit 4 Einwohnern sind keine Seltenheit in der Weite Australiens! Im Outback ist der Weg das Ziel, denn außer diesen kleinen Siedlungen gibt es nicht viel zu sehen.

Written on Juni 26th, 2007 , Australien Tags:

Carnarvon – Rubyvale 269 Km

Uns hat es inzwischen in die verlassene Gegend bei Emerald verschlagen. Bei unserer Routenplanung sind wir auf einen schönen Campingplatz in Rubyvale aufmerksam geworden, der auf der Strecke nach Longreach zu finden ist. Erst später registrierten wir, dass an diesem Ort nach Edelsteinen gegraben wird. In der gesamten Region um Emerald, Sapphire und Rubyvale wird nach Rubinen und Saphieren gesucht. Inzwischen sind ganze Teile von Rubyvale und Sapphire unterhölt, um den edlen Stein ans Tageslicht zu befördern. Wir hatten in der “Miners Heritage” eine Tour durch die Untertagewelt gebucht und dabei viele aufschlussreiche Informationen erhalten. Bei der Suche nach den Saphiren werden riesige Stollensysteme in die Erde gegraben und Unmengen an Erdreich ans Tageslicht befördert. Davon sind ca. 99% Abraum und nur ca. 1% sind der Ertrag, nach dem hier unzählige Menschen suchen. Vor etlichen Jahren hatte ein Kind einen Stein nach Hause gebracht, den dieses beim Spielen am Schulbus gefunden hatte. Der Vater des Kindes erkannte darin einen riesigen Edelstein von knapp 500 Karat (1 Karat ca. 5 Gramm) und verkaufte diesen für 50.000 AUD an einen Händler. Im letzten Jahr wurde der gleiche Stein an einen Sammler aus New York für 5,2 Mio. AUD verkauft. Was für eine Ausbeute!

Viel aufschlussreicher ist aber die Tatsache, dass von allen gefundenen Edelsteinen nur 5% in Australien verbleiben. Sie repräsentieren die besten und reinsten Steine. Der Großteil der Steine geht als “Industrieware” nach Thailand, Frankreich und Deutschland, wobei in Thailand die schlechtesten “Edelsteine” landen und dort für viel Geld in den Schmuckgeschäften verkauft werden. Ähnlich sieht es auch mit der Ausbeute aus, die in Deutschland und Frankreich landet. Wer wirklich reinen Saphier kaufen möchte, sollte dies auch in Australien nur in Rubyvale oder Sapphire tun, da selbst in Australien “Industrieware” aus Thailand im Umlauf ist.

Written on Juni 24th, 2007 , Australien Tags:

Das Wetter hatte sich über Nacht beruhigt, so dass eine Besichtigung des Nationalparks möglich war. Wir erkundigten uns vorab über den Zustand der Zufahrtsstrasse, da diese bei schlechten Wetterbedingungen nur mit einem Allradfahrzeug passierbar ist oder es vorkommen kann, dass das Wasser an einigen Stellen so hoch steht, dass eine Fahrt auf den Strassen unmöglich wird.

Der Carnarvon Nationalpark ist ein riesiges Areal von 2.000 km² Größe. Durch die undurchlässigen Schieferschichten bildet die Carnarvon Region ein natürliches Auffangbecken für Wasser im sonst trockenen Hinterland von Central Queensland. Nach starken Niederschlägen führt der Carnarvon Creek Hochwasser, dass selbst die Hauptstrasse bis zu zwei Metern überfluten kann. Das Wasser aus der Carnarvon Region fließt tausende Kilometer weit nach South Australia und speist dort den zumeist trockenen Salzsee Lake Eyre. Im letzten Jahr war dieser nach 10 Jahren Trockenheit aufgrund starker Regenfälle in der Carnarvon Region wieder gefüllt, so dass sogar Pelikane aus dem Norden von Australien ihr Brutquartier nach South Australia verlagerten.

Der Nationalpark war heilige Stätte der Aborigines. An einigen Stellen findet man noch Zeichnungen und Gravuren der Ureinwohner. Mit dem Mund wird die Farbe auf die Felsenwände gesprüht, wobei die eigene Hand als Schablone dient.

Written on Juni 21st, 2007 , Australien Tags: ,

Stanthorpe – Chinchilla – Roma – Carnarvon 1.153 Km

Seit drei Tagen nun sind wir unaufhörlich auf der Reise. In Stanthorpe angekommen, hatten wir eine Besichtigung des “Girraween Nationalparks” eingeplant. Der Park beherbergt spektakuläre Felsformationen aus Lavagestein, die man auf verschiedenen Wanderwegen erkunden kann. Wir hatten uns vorgenommen, den “Balancing Rock” zu besichtigen, einen Felsen, der ebenso magisch auf einem Steinfundament balanciert, wie es die Steinformationen in “Stonehenge” bei Glenn Inns tun. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Es regnete unaufhörlich und auch die Temperatur sank in der Nacht auf nur 8 Grad Celcius. So entschlossen wir uns am nächsten Morgen zur Weiterfahrt nach Chinchilla.

Zwischenzeitlich passierten wir das Tor zum Outback. Auf dem Weg ins Nichts kamen uns immer wieder gewaltige Zugmaschinen mit zwei und drei Anhängern entgegen. Die “Road Trains” sind gewaltige LKW´s, die das Outback mit allen möglichen Gütern versorgen. Eine Vorstellung von dem Nichts konnten wir alsbald entwickeln, da der Vorgeschmack auf das wirkliche Outback im Landesinneren Australiens schon riesig war. Außer kilometerlanger gerader Straße, ein paar Büschen und Bäumen, hin und wieder einigen Farmen und Kühen, sowie unzählige tote Känguruhs am Straßenrand, gab es nur das Nichts zu sehen! Im Outback gibt es den “Royal Flying Doctor Service” (RFDS) und die “School of the Air”. Schon in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erkannte der Missionar John Flynn, dass Funk- und Luftverkehr die Isolation der Menschen im Outback aufheben konnte. So werden heute mit Hilfe des Funks Kinder unterrichtet und medizinische Hilfe und Anleitung zur Selbstbehandlung in Notfällen übermittelt.

Für eine Nacht verweilten wir in Chinchilla, wo es noch kälter wurde als in Stanthorpe. Im Outback kann der Wind ungehindert wehen und sternenklarer Himmel sorgt für enorme Abkühlung! Angesichts der Kälte sind wir nun stolze Besitzer eines 24,- AUD teuren Heizgerätes, welches uns nun den Innenraum des Campervans auf angenehme Wohlfühltemperatur erwärmt.

Nach langer Fahrt auf der Carnarvon Road von Roma durch die Einöde, sind wir nun in einem kleinen Nest Namens Warrinilla am “Carnarvon National Park” angekommen. Leider schlägt das Wetter schon wieder Kapriolen und droht der Besichtigung des Parks erneut einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wir hoffen, dass morgen das Regenwetter nachlassen wird!

Wir haben das Gefühl, dass auf diesem Campingplatz eine Unzahl von älteren Leuten campiert, die in der Gemeinschaftsküche und im Aufenthaltsraum allabendliche Party feiern. In Australien bekommt man Alkohol nur in speziellen Geschäften und Pubs mit Ausschankgenehmigung zu kaufen. Woher die Leute hier in der Einöde das Bier und den Wein zum feiern her haben, ist uns noch ein Rätsel.

Written on Juni 20th, 2007 , Australien Tags:

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